Grün, die neue Farbe

Vor ein paar Tagen: Nach viel Regen, Blitz und Donnerschlägen mit entsprechend kühlen Temperaturen, scheint die Luft gewaschen. „Die Wassertanks sind voll“, freuen sich alle, was für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich ist. Die zauberhafte Verwandlung der Landschaft ist jedesmal ein Wunder. Wo sich seit meiner Ankunft nur verstörte, gelbe Felder, trauernde Bäume und Blumen gezeigt hatten, hat ein satter, grüner Flaum das Blickfeld überzogen. Herrlich. Und heute dann, der knall-blaue Himmel, wie ich ihn jetzt noch kaum erlebt habe, perfekte Sommertemperatur und ein Gefühl von freudiger Normalität. 

Vierundzwanzig Stunden später schreibe ich: wieder ist der Himmel gelb, rote Wolken türmen sich am Horizont. Ein Sturm zieht von Nordwesten her. Es ist gefürchtet dunkel und wieder weht ein heisser Wind. Während sich Herden von Kängurus an den Hängen versammeln, um gemeinsam über die Felder den Wäldern entgegen zu hetzen, zetern vierzig Kakadus ohrenbetäubend aus den Hecken. Wieder warten wir ab. In Melbourne ist die Sicht auf wenige Meter geschrumpft. Nach Hagel- und Sandsturm mussten Tennisspiele verschoben werden. Anderntags ist alles rot sogar der Yarra, Melbournes Fluss. Es knirscht unter den Zähnen, das Wasser in den Tanks verfärbt Wannen und Becken. Es war ein gewaltiger Sturm.

Während die Schweizer Medien sich auf die Helden und Verlierer des Davoser WEFs einlassen, sind hier die Feuer Bekämpfer in aller Munde. Sie werden gefeiert, angefeuert (welch ironisches Wort) und unterstützt. Ihre Heldentaten zeugen von Mut, Zusammenhalt, Gemeinschaftssinn und echter bedingungsloser Nachbarsschaftsliebe. Die Medien sind voll davon. Auch über den berühmten australischen Galgenhumor wird erzählt. „Alles wird gut, wir schaffen das.“ Alle packen an, helfen einander, riskieren ihr Leben für andere und sind einfach für einander da. Die Australier sind sich für nichts zu schaden. Ihr Humor hält sie über Wasser.

https://de.wikipedia.org/wiki/Drop_Bear

Erfundene Geschichten über Angriffe des Drop Bears werden erzählt, um Touristen zu erschrecken. So werden verschiedene Methoden vorgeschlagen, um Drop Bears abzuschrecken. Dazu gehört, sich Gabeln in die Haare zu stecken, sich Vegemite oder Zahnpasta hinter die Ohren zu schmieren, auf sich selbst zu urinieren oder Englisch nur mit australischem Akzent zu sprechen.

Besonders lustig fand ich eine „versteckte Kamera“-Geschichte vom Drop Bear. Eine leichtgläubige, schottische Fernsehjournalistin wurde auf Kangaroo Island in eine armierte Motorradmontur gesteckt, damit sie einen gefährlichen „drop Bear“ während der Reportage bedenkenlos halten könne. 

Der australische Fachmann erläuterte, dass diese Tiere angeblich Cousins des Koalas seien und sich zur Attacke aus den Bäumen fallen liessen. Daher „drop Bear“. Schaut selber. Der Link wurde auf allen Kanälen geteilt. Manchmal braucht es einfach schwarzen Humor, um die schlimmsten Bilder für ein paar Stunden vergessen zu können. Die veräppelte Schottin zeigte ebenfalls Humor und lachte herzhaft mit.

9 Gedanken zu “Grün, die neue Farbe

  1. Hello dear Verena – Du bist immer noch in Down-Under und zuallererst meine winterlichen sonnigen Grüsse an dich und DANKE für deine so ausdrucksstark geschilderten Erlebnisse und Geschehnissen. Ich liebe dein anschauliches „grünes“ Bild von der Farm deiner Schwester (nehme ich an). Take care und wann ist deine Rückreise geplant? Freue mich auf ein gesundes Wiedersehen zu Hause; Herzlich Brigitte

  2. Liebe Verena, danke, dass du uns mitnimmst auf deine Reisen! Ich « verschlinge » die Geschichten und freue mich jetzt schon auf die Nächste!!
    Liebi Grüess Heidi

  3. Liebe Verena, ich bin immer fasziniert von Deinen spannenden Geschichten, man kann sie richtig miterleben. Ich freue mich schon auf Deine nächste Geschichte. Liebe Grüsse Ursula

  4. Liebe Verena! Ich wünsche euch ganz viel Regen und so viel schönes Grün!
    Geniesse die Zeit und komme heil wieder heim!! Grüsse von der Frau, die nun in Hamburg mit deinem Regenschirm sitzt.
    Danke für die Info!

    Herzlichst uTe

    • Liebe Ute
      So schön, dass Du den Regenschirm geniessen. Ich habe einen neuen. Nun mit „Tüpfli“ in Schwarz.
      Danke, dass Du mein Blog liest und alles Gute. Ich bin fleissig am Malen, um die Perspektiven in Griff zu bekommen.
      Liebe Grüsse Verena

  5. Liebe Verena
    es ist immer wieder eine Freude deinen Blog zu lesen, heute ist auch der Anlass ein Freudiger. Endlich Wasser! endlich grün! Es muss ein extremes Wechselbad der Gefühle sein, durch das alle durchmüssen. Extremer kann ich mir die emotionalen Schwankungen kaum vorstellen. Todesangst, freudige Heldenverehrung, Wut, Trauer, Ohnmacht, Lachen über schwarzen Humor und schliesslich Dankbarkeit, dass man selber nicht existentiell betroffen ist. Das muss sehr anstrengend sein und zehrt an der Substanz.
    umso mehr freut es mich, von Dir Positives zu hören.
    Liebe Grüsse aus dem nebnligen Schaffhausen, Kim

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