Ein Koala zum Neuen Jahr

(unbedingt Film zuunterst anschauen)

Neujahrs morgen. Ich entfliehe den erschreckenden Nachrichten, den Bildern von Feuer, Rauch und leidenden Tieren. Gebrochene Menschen stehen auf Schutthaufen, die einst ihr Zuhause waren. Ich bin weit genug entfernt von den aktuellen Bränden, um einen Tag auf dem Hausberg nahe Gisborne zu verbringen. Mt Macedon, auf 1000 Metern gelegen, hat ein kühleres Klima, wunderbare Parklandschaften, Eukalyptuswälder und Wanderwege für jeden Geschmack.

Und wie es duftet? Ich schliesse die Augen, die Gerüche mit offenen Nasenlöchern einziehend und degustiere die würzige Luft. Die herben Elemente steigen aus der angefeuchteten, weichen Walderde, angereichert mit jenen kernigen Harzen und Ölen aus Pinien und Eukalyptus Blättern. Warm tanzt das Sonnenlicht. Rieche ich ein Hauch von Rauch? Ausgehöhlte Eukalyptus Veteranen stehen angelehnt und wie an Fäden aufgehängt in ihren Rinden-Häuten. Es sind Zeugen einer vergangenen Baumgeneration. Sie erzählen von Feuersbrünsten, Stürmen und Dürrezeiten. Dazwischen wiegen frische Stämmchen im Wind, blickdurchlässig auf blühende Sträucher und Stauden. Süsse Düfte zum Schluss.

Nach anderthalb Stunden auf und ab durch den Wald, steige ich steil hinauf zum Camels Hump, einer Ansammlung von Lavafelsen in Eukalyptus- und mannshohen Farnbäumen gebettet. Der Ausblick über das weite Land ist wohltuend. Unter der offiziellen Plattform hindurch, entdecke ich einen schmalen Pfad dem Kamm entlang. Und plötzlich bleiben Menschen angewurzelt, lauernden Füchsen gleich, mit nach hinten geworfenen Köpfen stehen und starren in die Höhe. Was da wohl abgeht? Und dann sehe ich ihn.

mit Handy gefilmt. Evt. mehrmals anklicken

Den dicken, runden Koala in grauem Pelz. Er hat sich in den kleinsten aller Äste gemütlich zum Schläfchen eingezwängt. Die Beine im Schneidersitz über dem Bauch gekreuzt, zeigt er uns seinen Hinterteil. Männlich ist er. Pfoten, zottelige Ohren und Arme hängen schlaff aus Astgabelungen raus. Was für ein Geschenk zum Neujahr. Und! ich habe mein Fernglas dabei. Dann erwacht er. Kratzt er sich genüsslich am Allerwertesten, streckt seinen Rücken oder dreht seinen Kopf; nichts entgeht mir. Ich bin fasziniert. Während mehr als tausend seiner Artgenossen jämmerlich verbrannt sind, präsentiert er sich hier in der freien Natur und lässt alles andere vergessen. Erstmalig sehe ich seine sonderbare Nase. Rüsselartig, einem Tapir ähnlich, streckt er sein Riechorgan mit riesengrossen Löchern aus. Erschnüffelt er uns oder die nächste Mahlzeit, die ausschliesslich aus besonderen Eukalyptusblättern besteht? Er macht’s wie ich. Er degustiert die Luft.

3 Gedanken zu “Ein Koala zum Neuen Jahr

  1. Liebe Verena – DANKE und wir sind froh, dass es noch diese wundersamen Augenblicke und Erlebnisse gibt – trotz allem
    Ein wohltuender Lichtblick zum Jahresanfang – mit herzlichen Grüssen aus dem friedlichen sonnigen Schwarzwald

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