Bücher, Pinsel und Fernglas

Die Tasten sind stumm und auf dem Papier tanzen die Pinsel. Statt zu schreiben, male ich mit Leidenschaft. Ich geniesse das Leben mit der Natur. Kaum bin ich mit dem Fernglas den vielen Kakadus hinterher gepirscht, ruft auch schon der knallrote Papagei oder die Elster schimpft lauthals um die Häuserecke. Jedes Lebewesen steht mir Modell. Im Abendlicht den äsenden Kängurus zuzuschauen, lässt mich das Rundherum vergessen. In grossen Sprüngen, abgestützt auf ihren kräftigen Schwänzen, schwingen sie sich samt tiefhängenden Beuteln über die hohen Zäune. Während die Mutter vornüber gebeugt, genüsslich die saftige Luzerne frisst, neigt sich das „Joey“ frech aus dem prallen Beutel und knabbert ebenfalls an den Stängeln. 

Weil ich auf diesem Kontinent bereits viele Abenteuer erlebt habe, vermisse ich das Reisen noch nicht. Vor ein paar Jahren durchquerte ich im Zug die Nullarbor Wüste von West nach Ost in drei Nächten und Tagen und blieb sprachlos beim Anblick des gewölbten Horizonts. In einer kleinen Gruppe mit zwei Jeeps folgten wir dem Tanami Track über 1000 Kilometer von Alice Springs zu den Kimberleys und danach erforschten wir das damals kaum erschlossene, atemberaubende Massiv der Bungle Bungle Range. Das war wild, abenteuerlich und nicht ungefährlich. Wir schliefen drei Wochen lang in der Wüste, schwammen in abgelegenen Schluchten, assen auf abgeschiedenen Farmen und erlebten einfach die Weite, den Sternenhimmel und die Gewalt dieser Landschaft. Ich war in Tasmanien und Sydney, kenne den echten Regenwald im Daintree, wo ich mit meiner Tochter drei Tage in einer Ecolodge übernachtete. Dort überfiel mich der Regen- und Feuchtigkeitskoller und wir flüchteten an die Küste. Bei einem Kurzaufenthalt in Darwin sah ich eine armdicke, etliche Meter lange Python auf einem Baum liegen. Im Botanischen Garten! Selbst den mitschwimmenden Hai habe ich nicht ausgelassen bei einer ersten Familienreise nach Hinchinbrook Island, einer damals sehr wilden Naturschutzinsel im Barrier Reef. So habe ich die Besonderheiten des Landes kennen- und den derben und schrägen Humor (oft über sich selber) verstehen gelernt.

Buchseiten sind wie Wellen. Man taucht ein und verliert sich in den Tiefen einer anderen aufregenden Welt. Ich wähle für jede Tageszeit und Tätigkeit die passenden Bücher und konsumiere sie auf unterschiedlichen Medien. Gemeinsames Thema: Australien. Beim Laufen liebe ich Hörbücher (audible.de). In Frühstück mit Kängurus erzählt Bill Bryson, ein amerikanischer Journalist von seinen australischen Abenteuern. Durch seine informativen und humorvollen Geschichts- und Naturberichte durchlebe ich erneut viele von meinen eigenen Erlebnissen.

Zum Kaffeetrinken im Dorf, dem frühmorgendlichen Ritual meiner Schwester und mir, gehört etwas literarisch Anspruchsvolleres in gebundener Form. Kate Lyons ist eine lokale Autorin und beschreibt in einer zum Extrem entwickelten Bild-Sprache das karge und einfache Leben dreier älterer Geschwister. Der Leser riecht förmlich derer staubige, armselige und gewalttätige Herkunft im Busch. Eine sensible Annäherung an ein Leben im Outback. Dank dem Übersetzungsapp Linguee verstehe ich diese exzentrischen Schilderungen. Ein kleines, spassiges Abenteuer.

Und abends dann im Bett begnüge ich mich mit leichteren Büchern zum Beispiel von Di Morrissey und Elizabeth Haran. Sie erzählen historisch recherchierte Geschichten aus dem Outback früherer Jahrhunderte, von Siedlern, Aboriginis, japanischen Perlenfischern oder Afghanischen Kameltreibern. Ausgeschmückt mit Familien- und Liebesgeschichten. Leichte Lektüre auf dem Tolino Reader zum Einschlafen. Verschiedene Sprachen, auf unterschiedlichen Medien zu je anderen Bedürfnissen.

Ein sonniger Tag im frischen Neuen Jahr gleitet sanft in den lauen Abend über. Der Tag hätte nicht perfekter sein können. Ich wünsche allen nur das Beste. Nehmt Euch Zeit für Familie und Freunde, sucht Entspannung und Musse für Eure Träume und erfüllt die lang gehegten Pläne. Danke, dass Ihr meine Leser seid.

8 Gedanken zu “Bücher, Pinsel und Fernglas

  1. Guten Morgen aus dem grauen Deutschland ❣️
    Ein gutes neues Jahr 2019 liebe 💕 Frau Prager –
    Besser kanns ja nicht beginnen – möge die Reiselust sie noch lange so auf Beine halten – danke für Ihre so lebendigen Dokumentation ❣️Und jetzt auch noch die so schönen Malereien – sie sind ein Genie uns das So weit entfernte Land so nahe zu bringen – freue mich immer auf Ihre Berichte🙏❣️Alles Gute 🍀
    Grüße aus Weizen
    Mona Basler

  2. Liebe Verena – wiederum habe ich Deine Zeilen verschlungen – Dir und Deiner Familie wünsche „no s‘Bescht“ im 2019
    Herzliche Grüsse
    Heidi

  3. Liebe Frau Verena Prager,
    danke für Ihre wunderbaren Beschreibungen und für die herrlichen Bilder. Ich habe das Gefühl, neben Ihnen in einem bequemen Sessel zu sitzen, Ihnen beim Erzählen zuzuhören, und beim Malen zuzusehen.
    Mit den Besten Wünschen für ein gutes und gesundes neues Jahr verbleibt mit lieben Grüßen Ihr
    achim lehmann

  4. Danke, liebe Verena! Ich bin gestern losgelaufen…. vielleicht komme ich mal in Australien an…. bisher reichte es bloss von SH nach Marthalen – bei düstersten Grautönen und verpasstem Bus bei Benken, weil s langsam kalt wurde. Ja, noch nichts von Outback – aber ich fühlte mich fast wie am Ende der Welt… Happy new year, liebe Verena, Du machst es goldrichtig – und die Zeichnungen finde ich auch gelungen! Liebe Gruss, Iris

    Nur ein paar Aepfel hellten meine trübe Stimmung auf…

    >

  5. Wunderbar, vrenögg, ich bin beeindruckt und freue mich über deine tollen erlebnisse und die kraft, welche deine erzählung übermittelt!
    Alles liebe

    Von meinem iPhone gesendet

  6. wunderschöner Text und dazu fröhliche Farben. Durch deine Zeilen kommen bei mir auch intensive Erinnerungen an Sydney, Barrier Reef, Darwin, Tasmanien, Hobart wieder hoch und ich reise dabei zu mir selbst. Ich habe begonnen meine alten Fotos zu sichten und bearbeiten. Auch das ist eine schöne Reise.
    Lieben Gruss aus dem grauen Hamburg. Wir freuen uns auf weiteres Schönes von „Down under“

    Christopher

  7. Monika Eggenberger

    Liebe Frau Prager. Danke für Ihre interessanten Berichte und die schönen Bilder. Ich denke an Sie und wünsche Ihnen noch viele wunderschöne Erlebnisse. Liebe Grüsse von zu Hause. Ach ja, bei uns schneits!

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