Ein paar Tage bei den Charolais Kühen im Burgund

Ich trete frühmorgens mit meinem Hund Lola aus der schmalen verwitterten Haustür auf die Gasse mitten ins mittelalterlichen Städtchen. Noch ist es kühl während die Stadt sich regt. Ich liebe diese Geräusche und Gerüche des Erwachens, stelle mich neugierig an Häuserecken und beobachte die Menschen. Lächeln oder träumen sie? Schlaftrunken gehen sie ihren gewohnten Tätigkeiten nach. Es gab einmal ein Chancon: „Il est cinq heures, Paris s’eveille“ von Jacques Dutronc. Jetzt ist Montagmorgen und ich bin in Avallon.

Avallon liegt eine Stunde westlich von Dijon, fünf Autostunden von Schaffhausen entfernt und ist auf wunderbar ausgebauten, wenig befahrenen französischen Autobahnen (im Vergleich zu Zürich- Aarau) entspannt zu erreichen.

Die Häuserzeilen stehen eng beieinander, die hölzernen Fensterläden sind leicht geöffnet, um die baldige Sommersonne aus den Häusern auszuschliessen. Vereinzelt sind erste Bewohner unterwegs, während mir eine Wolke der nahen Bäckereien entgegen weht. Nur der Nase nach, sage ich mir. Erste Frauen mit Baguettes unter dem Arm queren die Gassen und entschwinden in finstere Treppenhäuser.

IMG_7624

IMG_7654Ein dunkler Mann im Arbeitsgewand holt Brote, klemmt sie sicher unter die Achseln und steigt  ins wartende Auto. Der Motor läuft, die andern Männer scheinen ungeduldig bei laufendem Motor zu warten. Jedes Baguette ist mit einem quadratischen Papierchen eingewickelt, an deren Enden schmale knusprige Zipfel rausschauen. Klischeehaft trägt jeder zweite seine Brote davon.

IMG_7623Im Café gegenüber des Hauptkreisels sitzend, geniesse ich die Morgenszene und warte auf meine Freundin, Brigitte. Mein Café au lait kommt schäumig daher und ich wärme mein Gesicht an der französischen Sonne. Die kleine Place ist unterhaltsam. Es sind Einheimische, die hier Ihren Café trinken. Schwarz mit Zucker. Die Autos sind klein und den schmalen Gassen angepasst. Hier hat Brigitte eine gemütliche Städtchenwohnung gemietet.

IMG_7663 IMG_7661  IMG_7632

Lola und Brigittes kleiner Twinkle spannten zu einem tollen Hundeteam zusammen. Unter dem Motto „Kein Bettchen zu klein“ schlief Lola in Twinkles kleinem Hundekorb.

Ein wunderbarer Ausflug führt uns im Auto mit Hunden und Picknick bepackt, hinauf nach Vézelay. Das mittelalterliche Kloster mit grosser Basilika thront hoch über der sanften Burgunder Landschaft.

Die sandsteinfarbenen Mauern halten das Städtchen und dessen Kirche zusammen, von der aus die engen Gassen sternförmig in alle Himmelsrichtungen führen. Es ist der Ausgangspunkte eines alten Jakobsweges aus dem Mittelalter, der auf dem Platz vor der Basilika beginnt. Weitherzig breiten sich die saftigen Butterblumen-Wiesen aus und bieten kontrastreich ein farbenfrohes Bild mit grossen, schneeweissen Charolais Kühen, die hier genüsslich mit ihren wohlgenährten Kälbchen grasen.

IMG_7643Welch Sehverlust für einen Farbenblinden wäre diese Aussicht.  Grasgrüne Wiesen, neben sonnengelb leuchtenden Weiden, überdacht vom königlich blauen Himmel, einzig abgetrennt von dunkelgrünen Heckenstreifen und mittendrin stehen malerisch verteilt, schneeweiss glitzernden Quarzen gleich, die Charolais Kuhherden. Alles ist rund wie das Wort „Burgund“ es lautmalerisch ausdrückt. So definiert es Brigitte.

IMG_7635IMG_7638

Anderntags führte uns eine Wanderung einem Flüsschen entlang mit römischen Brücken. Idyllisches Bächlein, ein Hundeparadies mit Enten und Wildspuren.

IMG_7659IMG_7656

Am letzten Morgen spazierten wir auf schmalen, steinigen Wegen treppauf und- ab in den „Ramparts“, den steilen Hängen rund um die Stadtmauer von Avallon, die früher reichlich mit Gemüse und Reben bepflanzt waren. Sandsteinhäuser kleben an den Abhängen inmitten schmaler liebevoll gepflegten Gärten. Blühende Akazien, Eichen, Ahorn, Buchen und vereinzelt Föhren fügen sich zu grossen weichen Wäldern im Hintergrund.

Bald war der Besuch zu Ende.

Im Supermarkt kaufte ich Lola einen geflochtenen Hundekorb allerdings eine Größe grösser, damit die Pfoten nun auch Platz finden. Sie schien ihn zu lieben. Zumindest solange ich in Twinkle-Land war, denn zuhause würdigt sie ihn keinen Blickes mehr. So steht der französische Korb verlassen in der Ecke. Einzig die Erinnerung bleibt.

IMG_7688Zum Abschluss übernachte ich in Besançon, um diese schöne Stadt anzuschauen.Die gewaltige Zitadelle über der Stadt am Doubs ist von Vauban, dem französischen Festungsbauer unter Louis dem XIV gebaut worden. (Brigitte erteilte mir einen Schnellkurs in Festungsbau, sodass ich nun etwas gebildeter bin). Wirklich imposant. Auf meiner Europareise vor ein paar Jahren habe ich die Zitadelle in Belfort ausgiebig erkundet, sogar mit einem tollen Konzert, das speziell für die Einwohner in den Gemäuern veranstaltet wurde.

Um in Besançon (Bizanz) die Zitadelle zu besuchen, habe ich ausserhalb der Stadt geparkt und bin mit Lola den Berg hoch gegangen, aber, ojemine, Hunde sind nicht erlaubt. Enttäuscht und etwas verärgert verliess ich das Fort und stieg missmutig ins Städtchen runter. Der Café au laut mit extra buttrigem Croissant tröstete mich. Es schien nicht ganz mein Tag zu sein. So freute ich mich zumindest ohne Vorbehalt auf Zuhause.

Ein Gedanke zu “Ein paar Tage bei den Charolais Kühen im Burgund

  1. Barbara Ritzmann-Prager

    Frankreich ist einfach ein superschönes Reiseland ! Und im Frühsommer – oder Spätfrühling ! – wohl ganz besonders. Danke, dass Du mir den Bericht geschickt hast. Ich konnte den schaumigen Café au lait grad mitgeniessen !

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.