Heimgekehrt von Singapore

Lange zögerte ich am Flughafen Singapore den Kleiderwechsel vor der Heimreise hinaus. Sandalen tauschen gegen geschlossene Schuhe mit Socken, kurzer luftiger Rock gegen Jeans, T-shirt gegen Pulli und Windjacke. Es waren Handlungen, die ich nur widerwillig machte. Als sich frühmorgens nach der Landung in Kloten die Flugzeugtüren öffneten und mir erstmals Luft entgegenstemmte, spürte ich schmerzlich mit jedem Schritt meine Heimkehr. Es war morgens um sieben Uhr, trüb, nass und kalt. Tränen füllten unverhofft meine Augen. „Wie undankbar kann man sein“, schimpfte ich mit mir. „Ich bin gesund, habe viel Tolles erlebt, werde von Linda und Johnny erwartet und alles ist gut,“ erklärte ich meiner Traurigkeit. „Alles hat irgendwann ein Ende, reiss Dich zusammen, denn Du weisst, alles kommt gut.“ Trotzdem fiel mir die Heimkehr sehr schwer. Das war schon immer so. Die Gründe liegen in meinen ersten Kinderjahren. Auch das weiss ich. Es hat nichts mit dem Daheim zu tun, denn ich könnte es nicht besser haben und irgendwann wird Freude über die Rückkehr aufkommen.

Singapore – Das Ende einer Reise (Ende Februar)

Ein letzter Singapore Sling (klassischer Drink, der im Hotel Raffels in Singapore kreiert wurde) im umtriebigen Hafenviertel bei herrlichen fünfundzwanzig Grad Nachttemperaturen, bevor ich meine Koffer ins Taxi hieve und Richtung Flughafen unterwegs bin. Drei Monate sind vorbei und ich frage mich, wo die Zeit geblieben ist. Ich habe viel erlebt, gesehen und Zeit gehabt für meine Schwester, aber auch für mich. Vor ein paar Stunden haben sich unsere Wege für längere Zeit wieder getrennt. Während sie nach Melbourne heimkehrt, fliege ich um 180 Grad in die andere Richtung.

IMG_5700 IMG_5712 IMG_5726 IMG_5739 IMG_5745 IMG_5754 IMG_5778 IMG_5780So einfach lässt man Singapore nicht hinter sich. Dieser Stadtstaat, optisch geprägt von einer wunderschönen Skyline rund um den Hafen, vielen Aussenquartieren mit Wohn-Hochhäusern und überraschend vielen Grünflächen, liegt fast am Äquator. Er hat Grenzen zu Malaysia und Indonesien, 5.4 Millionen Einwohnern und vier Landessprachen wie wir: Chinesisch, Englisch, Tamil, Malaysisch. Auf einer Rundfahrt erleben wir die verschiedenen Quartiere. „Little India“ bezaubert durch die würzigen Curry Gerüche und die farbigen zweistöckigen Reihenhäuser. Im „China town“, das leider fast gänzlich abgerissen wurde, hängen hunderte von farbigen Pferden als Girlanden über den Strassen. Es ist das chinesische Jahr des Pferdes. Die Goldkuppel der Moschee zeigt uns, dass wir im „Arab street“ Quartier angekommen sind. Einzig die Orchard Road hat ihren asiatischen Zauber der vergangen Jahren verloren. Heute findet man alle Luxusmarken der Mode- Uhren und Bankenbranche aneinandergereiht im Gigantismus und Überfluss. Vergeblich sucht man einen Hauch von Asien.

Das Land ist streng reglementiert, durchorganisiert und geordnet. Es empfiehlt sich sehr, sich an die Regeln zu halten. Keine Zigaretten und Kaugummis dürfen ins Land eingeführt werden. Man isst und trinkt nicht auf der Strasse, demzufolge ist es sehr sauber, sicher und man muss keine Angst vor Lebensmittelvergiftungen haben.

Persönlich habe ich die erweiterte „Marina Bay“ Hafenbucht ausgesprochen genossen. Unser Hotel überblickte das Becken mit dem neuen spektakulär gebauten „Marina Sands Hotel“. Die drei Hoteltürme sind mit einem Surfbrett ähnlichen Dach verbunden, auf dem sich Bar, Palmen und ein überlaufendes Schwimmbad befinden. Die umwerfende Aussicht über die ganze Stadt müsse gewaltig sein, erzählten die Leute. Schwimmen war leider nur den Hotelgästen vorbehalten. Dahinter sieht man die „Gardens by the bay“ mit grossen aus Stahl und Beton gebauten, symbolischen Bäumen, die zum Teil mit einer Aussichtsbrücke verbunden sind. Eindrücklich ist auch ihre Funktion. Es sind nicht nur vertikale prachtvolle Gärten, sondern sie dienen auch als Belüftungsschächte für die Gewächshäuser, sind Regenwasserspeicher und sind mit Solarzellen ausgerüstet. Im einem der faszinierenden, riesigen Gewächshäuser dominiert ein viele Stockwerke hoher Nebelberg mit Wasserfall. Man umrundet in einer Spirale den Berg, vorbei an tausenderlei exotischer Pflanzen aus dieser feuchten Landschaft und geniesst immer neue Ausblicke hinaus aus dem Gewächshaus und hinunter am Wasserfall vorbei.

2 Gedanken zu “Heimgekehrt von Singapore

  1. Liebe Verena, herzlich willkommen daheim -auch wenn mit einer Träne im Knopfloch. Als ich deinen Bericht las, war mir, als wenn ich diesen geschrieben hätte. So geht es uns auch jedes Mal, wenn wir nach wundervollen spannenden erlebnisreichen Auszeiten wieder in den Alltag zurückkehren. 1997 war unsere Zeit in Singapore. Vieles habe ich in deinem Bericht wieder erkannt, vieles ist natürlich neu entstanden in den vergangenen fast 17 Jahren. Wir waren ebenso fasziniert von dieser Stadt, besonders weil Günter ja dort für 3 Jahre leben sollte, haben wir diese nicht nur touristisch erkundet. Aber wir sind nun dankbar, dass du wieder gesund und munter unser Schaffhausen bereichern wirst und grüssen dich sehr herzlich und freuen uns auf ein Wiedersehen. Für dich haben wir den Frühling ins Land geholt. Brigitte u Günter

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