Krokodile sind nicht zum Anfassen – Cairns, Queensland

Von Cairns werden wir mit einem Reisebus hundert Kilometer entlang der mit Sandstrand und Kokospalmen gesäumten Küste zum Daintree River ins nördliche Queensland entführt. Es weht ein schwüles, feuchtes Tropenlüftchen. An grossen Zuckerrohrplantagen vorbei, entlang hoher Berge mit wucherndem Regenwald erreichen wir den Mossman Nationalpark, einem Schutzgebiet der Aborigines.

IMG_5302Im dazugehörenden Themenpark empfängt uns Mook, ein knorrig, urzeitlich aussehender Mann mit schwarzen, langen Locken, wulstigen, ausdruckstarken Falten und schwarzen, tiefliegenden Augen. Er begleitet uns auf einem wirklich erlebnisreichen, authentisch angelegten Pfad durch den Regenwald. In einer kleinen Rauchzeremonie, an der wir ein in Rauch gehülltes Feuer umrunden, empfangen wir die guten „Spirits“. An aufgebauten Posten wird den Touristen die Lebensweise ihrer Vorfahren näher gebracht, die seit über 60’000 Jahren hier von und in von der Natur leben. Zum Beispiel demonstriert er uns an der Mossman Gorge (Schlucht) wie sie sich früher mit bestimmten Blättern des Seifenbaumes eingerieben und gewaschen haben. Wir staunen über die feine Lauge und deren beeindruckender Schaumbildung. Alles ist sehr unterhaltsam und lehrreich gestaltet. Die Bäume sind gewaltig gross, die Lianen, Palmen und Farne schliessen mit ihrem dichten Blätterdach den Himmel aus.

Das Verständnis für die „indigenous people“ mit ihren unzähligen Stämmen hat sich zum Positiven gewendet, allerdings erst seit 1992 als ein legitimer Anspruch der Aborigines auf ihr Land rechtskräftig wurde. Seit damals besitzen sie auch den Uluru, Ayers Rock.

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Leider, leider nur iphone Qualität

Am Nachmittag kam der eigentliche Höhepunkt, der so nicht geplant war. Wir gingen auf eine einstündige Bootsfahrt auf dem Daintree River, der ein breiter Sammelfluss für alles Wasser aus den nahegelegenen hohen Bergen ist. Nach den tagelangen, gewaltigen Monsoonregen war er dick angeschwollen. Zur Zeit unserer Fahrt war es sonnig und dampfig und somit erlebten wir die Kraft des Wassers. Schon als wir auf das Boot stiegen, fiel mir auf, dass der Schiffsführer freudig aufgeregt war. Sein wachsamer Hund stand zuvorderst und beobachtete genau das Geschehen auf dem River. Eben habe sich eines der grossen Krokodile ein Kalb geholt, das in den Regenfällen zu nahe ans Ufer getreten und offensichtlich ertrunken sei. Kaum fünfzig Meter den Fluss hinauf, sahen wir bereits ein Boot mit Schlagseite stehen, auf dem alle auf der einen Seite ins Wasser schauten. Wir tuckerten hinauf, legten unsere bereitgelegten Ferngläser auf die Nase und suchten das Wasser ab. Als wir bereits nahe waren, schnellte die Riesenechse in die Höhe, öffnete sein mit scharfen Zähnen besetztes Riesenmaul, warf das schlappe Kalb durch die Luft und wiederholte diese Handlung noch einmal. Das war Natur pur. Auf dem Daintree River füttern sie keine,der bis sechs Meter langen Salzwasserkrokodile und dennoch war die Frage da. War das zur Show gemacht worden? Hätte sein können, aber es bräuchte viele Kälber, um täglich alle Touristen zu befriedigen. Nein, das war echt. Froh war ich, dass das Kalb tot war. Lange betrachteten wir ebenso fasziniert wie angeekelt dieses Schauspiel. Noch zwei Mal bäumte sich das ungefähr 3.5 Meter lange „saltie“ auf und katapultierte das Kalb herum. Mit einem riesen Knall klatschten beide zurück ins Wasser. Das war ein tolles Erlebnis, das man nicht jeden Tag sieht. Australien hat viel Natur und heftige dazu. Das war erneut ein Beispiel davon.

3 Gedanken zu “Krokodile sind nicht zum Anfassen – Cairns, Queensland

  1. Hallo Verena

    Tönt wie immer sehr spannend, wirklich mehr als nur eine Alternative zum Büro. Vielleicht kommt auch für mich einmal die Zeit, dass ich eine solche grosse Mission antreten darf. Wer weiss? Auf jeden Fall weiterhin viel Spass, danke für die Berichte und natürlich alle Gute und viel Spass!!!!

  2. Guten Morgen, liebe Verena, beim Lesen deines spannenden Berichtes musste ich sofort an den Film „Crocodile Dundee“ denken, habe dich in der Hauptrolle gesehen mit deinem australischen Beschützer an deiner Seite. So kann dir ausser einem grossen Schreck nichts passieren. Lass dich weiter so beschützen. Aber das von dir miterlebte Naturereignis wird sich wohl für immer in dein Gedächtnis einprägen. Ich wäre wohl vor Angst in Ohnmacht gefallen….liebe Grüsse aus unserem sehr frühlingshaften Schaffhausen – Brigitte

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