Vom Murray River nach Naracoorte und ein paar Missverständnisse

Von Murray River bin ich nach Osten mit Ziel Penola und Mount Gambier, zwei hübschen Landstädtchen gefahren vorbei an Coonawarra, dem fruchtbaren Tal mit wunderbaren australischen Weinen. Der Murray River, dessen Quelle in den verschneiten Bergen entspringt, ist der längste Fluss Australiens.

IMG_4521Ich schrieb in mein iphone: „Meinen ersten Kaffee hab ich mir heute hart verdienen müssen. Ich bin in einer sehr ländlichen Provinzstadt, Murray Bridge, wo es tatsächlich auch eine Brücke über den Murray gibt. Bedeutend schwieriger ist es,einen guten Kaffee zu finden. Jetzt habe ich Kaffee und! wifi!“ In meinem Saloon ähnlichen Hotel, wo die Landjugend und Farmer an der Bar und an den Spiel Maschinen stehen, erklärte mir der Wirt, das „continental breakfast“ sei inbegriffen und es stehe am Morgen im Frühstücksraum bereit. Ich hatte Lust auf Tee. Als ich das Frühstückszimmer erwartungsvoll betrat, musste ich schnell meinen Erwartung-Schalter auf „tief“ stellen. Es gab einen Tisch, sechs Stühle, einen Kühlschrank, einen rostigen Toaster und einen Wasserkocher. Wo könnte das Frühstück sein? Bestimmt im Kühlschrank, kombinierte ich schlau. Da stand Milch, ein Kübel Margerine, verschmierte Peanutbutter und ein Pack angebrochenes Toastbrot. Alles was man zum kontinental Breakfast braucht. Von Service sprach niemand, oder? Ich schloss die Kühlschranktür und machte mich auf die Suche nach einem hübschen Café.

Naracoorte National Park – Kalksteinhöhlen

Von Murray River fahre ich nach Naracoorte.  Das Land ist sehr weit und trocken. Die langen, geraden und gut ausgebauten Strassen mit grossen Eukalyptus und Pine Trees gesäumt, erlauben mir, die Landschaft mit Rindern, Pferden und Schafen ausgiebig zu betrachten. Unendliche Weite wechselt sich mit Lavendelfeldern und trockenen Weiden ab. Es ist Sonntagmorgen und niemand ist unterwegs. Einmal den Cruise auf 110 km einstellen und nach jeder Stunde eine kleine Pause einschalten. Am Strassenrand liegen ein paar tote Kängurus und immer wieder steht: „drowsy drivers die„, müde Fahrer sterben.

Die Sonne scheint und ich möchte die Kalksteinhöhlen in Naracoorte ansehen. Ein riesiges Höhlensystem unterliegt dieser Limestone Gegend. Ich nehme an zwei Führungen teil und bin über die Grösse und Schönheit dieses Höhlensystems überrascht. Ich repetiere mein Schulwissen über Stalagmiten und Stalaktiten und bestaune die prähistorischen Skelettreste, die hier gefunden wurden. Ausgestorbene Beuteltiere auch Tiger und Riesenkängurus. Der Asia Guide mit leichtem Akzent spricht immerzu von Megaphones, wenn er über die grossen ausgestorbenen Tiere erzählt. Ich versuche zu verstehen, was megaphone mit der Tierwelt zu tun haben. Mega, ok. Riesig, aber phone? So wie mobile phone dachte ich. Ich wage zu fragen und merke, dass er Mega Fauna meint. Solche sprachlichen Missverständnisse finde ich immer sehr amüsant.

naracoorte caves

In den Höhlen

 Der Kalkstein wurde von Korallen und Meeresgetier vor 200 Millionen Jahren gebildet als das Land unter dem Meeresspiegel lag. Grundwasser hat seither einen Teil des Kalksteins gelöst und so die Höhlen geschaffen, die früher nur durch einzelne Löcher geöffnet waren. Die Tiere fielen hinein und konnten sich nicht retten. So entstand eine bemerkenswerte Sammlung an Fossilien, Säugetiere und andere Landlebewesen. Die Fossilfallen sind besonders wichtig für die Erforschung der australischen Megafauna. (z.T. aus Wikipedia)

Zeitaufwändiges Missverständnis

Mein nächstes Missverständnis dauerte über hundert Kilometer und endete an der Tankstelle meines Ausgangspunktes. Nach der Besichtigung der Höhlen hatte ich mich auf die Weiterreise Richtung Penola gemacht. Zielsicher fuhr ich einmal links und dann rechts, so wie ich gekommen war und glaubte auf der richtigen A66 zu sein. Die Strasse fühlte sich schmaler an und auch fehlten andere Fahrzeuge. Nach dreissig Kilometern schwante mir, dass ich meiner Selbstsicherheit zum Opfer gefallen war. Was tun, wenn man nicht zurückfahren will und das Benzin nur noch ein Viertel voll ist? Ich schaute auf die Karte, betrachtete die Himmelsrichtung und überlegte lange. Zurück oder vorwärts? Kein einziges Auto kam mir entgegen. Von meiner Reise in Schweden kannte ich das Gebot, dass der Tank voll sein muss. Ich hatte wohl noch genügend Benzin, aber nicht genug für australische Dimensionen. Fährt man in der Schweiz falsch, so kommt bald ein Verkehrsschild, eine Ortschaft oder sonst ein Orientierungszeichen. Aber hier wurde die Landschaft weiter, einsamer, schöner, wilder und leerer. Ich sah Rinder, Schafe und Bäume, aber keine Häuser. Irgendwann erkannte ich meinen Standort, allerdings nicht dort, wo er hätte sein sollen. Weit davon entfernt.

IMG_4532Es blieb mir als einzig sichere Lösung die Fahrt zurück über eine kleinere Strasse nach Naracoorte. Nach weiteren sechzig Kilometern, kam ich in ein Farmerdorf im Bush und hoffte auf eine Tankstelle. Stattdessen traf ich an jeder Haustür ausgestopfte mannsgrosse Weihnachtsmänner, ein jeder lustiger und einfallsreicher als der nächste. Die Häuser waren einfach, heruntergekommen, ohne Mensch und Tier und Tankstelle schon gar nicht. Hauptsache vor jedem Zaun stand der rotweisse Weihnachtsmann. Spezielle Erscheinung. Auf dieser gespenstisch leeren Landstrasse fuhr ich bis zur ersehnten Tankstelle in Naracoorte. Eine zweistündige „Rundreise“, die es jedoch alleweil wert war, denn das ist Australien. Weit, leer, endlose Landschaften, ein  gigantischer Himmel über endlosem Horizont.

Murray River Salz – rosa Solesalz-Flakes, eine kulinarische Spezialität

Der Murray River fliesst durch Landschaften mit erhöhtem Salzvorkommen. Das Murray-Darling Becken, mit seinem geringen Niederschlag und hohem Verdunstungsgrad, ist ein idealer Ort, an dem man Grundwasser mit hoher Salzkonzentration fördern kann. Die Farbe des aus dieser natürlichen Sole gewonnenen Salzes stammt von roten Pigmenten in Algen.

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